Der Schweinehund, oder: „Quäl dich, du Sau!!!“

Der Schweinehund ist ein heimtückisches Tier. Keiner mag ihn, aber viele haben doch mit ihm zu tun – ähnlich wie mit dem sich langsam wölbenden Bauch(ansatz), dessen Entwicklung täglich über lange Zeit im Spiegel skeptisch beobachtet wird. Tatsächlich sind die beiden, also Schweinehund und Bauch, gute Freunde. Gute Freundschaften sollte man in der Regel pflegen – in diesem Fall müssen wir jedoch eine Ausnahme machen!

Die Situation kommt wohl vielen bekannt vor: uns fällt etwas in unserem Leben auf, womit wir nicht zufrieden sind. Wir sind wieder völlig außer Atem, wenn wir die zwei Stockwerke ins Büro über die Treppe zurücklegen (sind die Treppenstufen höher geworden?), haben mal wieder Verdauungsprobleme nach dem Essen (liegt bestimmt am Wetter!) oder leiden an einem nahezu unmenschlichen Muskelkater, nachdem wir mit den Enkelkindern 20 Minuten lang im Garten gespielt haben (das Alter!?). Irgendwo in unserem Hinterkopf ahnen wir, dass es so nicht weitergehen kann. Eigentlich müssen wir etwas tun, nur was? Aber oh nein: plötzlich kommt der Schweinehund von der Seite angerauscht, rammt uns seine fette Schnauze in die Rippen und im nächsten Augenblick finden wir uns, wie auch immer das so plötzlich geschehen konnte, auf der Couch wieder.

Soweit ist die Ausgangslage also bekannt. Vielleicht sind wir aber clever und lernen dazu. Das nächste Mal, wenn wir den Schweinehund von der Seite hören, wie er grunzend auf uns zurennt (zum Glück ist er nicht leise, das dicke Stück!), machen wir einen Schritt zur Seite. Er rennt krachend gegen die Wand. Das Haus wackelt kurz. Er scheint ohnmächtig zu sein. Jetzt müssen wir die Gunst der Stunde nutzen, um in Aktion zu treten – Schäden an der Bausubstanz können wir auch später begutachten.

Der erste wichtige Schritt ist die Problemanalyse. Woran fehlt es uns eigentlich? Haben wir ein Defizit in unserer Leistungsfähigkeit? Übergewicht? Ein spezifisches medizinisches Problem? Haben wir jetzt erkannt, was wir eigentlich verändern wollen? Gut! Jetzt geht es als nächstes darum, wie wir das tun.

Im Zeitalter des Internet ist es jedem Menschen möglich, zu jedem beliebigen Thema eigenständig zu recherchieren. Das kann sehr effektiv und ergiebig sein, kostet aber unter Umständen viel Mühe und Zeit. Dazu kommt das Problem, die Unmengen an Information zu bewerten, also in gut und schlecht, seriös und unseriös, hilfreich und irrelevant aufzuteilen. Oft fehlt es uns an spezifischem Fachwissen, um das wirklich gut zu tun. Zum Glück gibt es dafür die Experten!

Wollen wir endlich wieder ohne zu Schnaufen Treppen steigen? Fragen wir einen Fitness-Experten, wie wir das am besten erreichen! Wollen wir ein anderes medizinisches Problem in den Griff bekommen? Fragen wir den Arzt, Heilpraktiker oder Therapeuten unseres Vertrauens! Wissen wir nicht, wie wir uns am besten ernähren sollten? Auch hier hilft der Experte!

Vom Experten haben wir nun erste Anregungen bekommen. Wir bemerken außerdem, dass der Schweinehund sich ungewohnt zaghaft in unserer Nähe verhält. Was hat er denn? Wenn wir unerwartet in seine Richtung schauen, zuckt er ängstlich zusammen, vergräbt seine geschwollene Schnauze unter der Couch. Wir lächeln.

Die ersten Schritte sind getan. Nun fällt uns aber auf, dass diese Schritte irgendwie ziemlich anstrengend sind. Woran liegt das? Nun, der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Wir bewegen uns jetzt gerade aber auf neuen Pfaden. In anderen Worten: wir verlassen unsere Comfort Zone. Kurz gesagt erklärt sich dieses Phänomen so, dass wir durch neue Herausforderungen, ungewohnte Reize und ungewöhnliche Tätigkeiten in eine Art positiven Erregungszustand versetzt werden. Positiv deshalb, weil er es uns ermöglicht, über unsere bisherigen Grenzen hinauszuwachsen. Manchmal müssen wir hier aber auch abgebremst werden. Sind wir übermotiviert oder erkennen unsere Grenzen nicht richtig, besteht die Gefahr, dass der positive Erregungszustand in eine Art negativen Stress umschlägt. Damit ist niemandem geholfen. Hier kann der entsprechende Experte als unser persönlicher Assistent dienen: er zeigt uns, was wir am besten tun, wie wir es am besten tun und vor allem auch, wann wir einmal Pause machen und uns auf unseren Lorbeeren ausruhen dürfen. Der Experte ist als Wegbegleiter zu verstehen, der uns letztlich zu mehr Wissen, Selbstständigkeit und Eigenverantwortung führt.

Wenn das gut funktioniert, hat der Schweinehund bald nichts mehr zu sagen. Ab und zu legen wir uns noch mit ihm zusammen auf die Couch, um der guten alten Zeiten willen. Aber nur noch, wenn WIR es wollen!

 

 

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