Doppel-Buchvorstellung: „Die Menschheit schafft sich ab“ und „Eine kurze Geschichte der Menschheit“

Der Mensch neigt dazu, sich und sein eigenes Leben zum Maßstab für die Betrachtung der Welt zu machen. Das ist einerseits nachvollziehbar, andererseits kann es die Perspektive limitieren. Eine gute Methode, seine geistige Perspektive zu erweitern, ist seit jeher, Bücher zu lesen.

Das gilt insbesondere für Bücher, die es verstehen, einen Sachverhalt in einen großen Zusammenhang zu rücken. Beide Bücher, die ich heute vorstelle, tun das. „Eine kurze Geschichte der Menschheit“ von Yuval Noah Harari war das erste Buch, was ich in diesem Jahr gelesen habe, „Die Menschheit schafft sich ab“ von Harald Lesch und Klaus Kamphausen das bisher letzte.

Beide Werke verstehen es auf ihre Weise, die Geschichte der Menschheit nachzuzeichnen, im Heute anzukommen und die aktuelle Situation auf dem Planeten Erde zu thematisieren. Harari tut das in Form eines sehr gut lesbaren, eleganten Fließtextes, der den Leser die Gedankengänge des Autors leicht nachvollziehen lässt. Er tut das ohne einen moralisch erhobenen Zeigefinger, zeigt Problemfelder aber dennoch klar auf. Ich habe selten ein Buch gelesen, was es so gut verstanden hat, Fakten im Erzähltempo auszubreiten und sozusagen nebenbei Zusammenhänge zwischen Themenkomplexen herzustellen. Trotz seiner gut 500 Seiten habe ich das Buch fast in einem Rutsch gelesen und jede Seite genossen.

Lesch und Kamphausen dagegen fuchteln geradezu wild mit ihren moralischen Zeigefingern vor der Nase des Lesers herum – und das berechtigter Weise. Dazu später. Der größte Kritikpunkt an „Die Menschheit schafft sich ab“ ist das etwas chaotische Layout. Darüber hinaus bietet es aber Unmengen an wichtigen Informationen, die Lesch deutlich fachspezifischer präsentiert, begonnen mit den ersten Schritten der Entstehung des Universums und des Lebens, die er, da kommt er nicht aus seiner Haut, natürlich auch aus der Perspektive einer Physikers schildert. Das Buch ist zwar natürlich in sich schlüssig, bietet aber Einzelkapitel und Exkurse, die auch eigenständig zur Information gelesen können. Es finden sich anschauliche Statistiken, Schaubilder, Experten werden zu verschiedenen Perspektiven interviewt. Damit ist das Buch nicht als literarisches Werk, sondern als Faktensammlung „zum Stand der Dinge“ (wie auf dem Cover angeführt) zu verstehen und zu gebrauchen. Und hier wird klar, warum das nicht ohne moralische Wertung geschehen kann.

Harari fasziniert durch Sprache, bietet ein Lese-Erlebnis, macht neugierig und zeigt spielerisch Zusammenhänge und Möglichkeiten auf. Kurz: er regt dazu an, die behandelten Themen eigenständig zu erschließen, wenn Interesse aufkeimt.

Lesch und Kamphausen dagegen präsentieren Fakten zum Ist-Zustand unserer Gesellschaft und unserer Erde. Dass dieser Zustand ein ernster ist, ist indiskutabel. Die beiden Autoren kommen damit ihrer Pflicht nach, Missstände anzumahnen. Im Detail kann man das nicht tun, indem man moralisch-ethisch eine neutrale Position vertritt. Durch die verschiedenen Perspektiven, die von den zitierten und interviewten Experten auf den Stand der Dinge angeboten werden, bieten sich Möglichkeiten, wie weiter gehandelt und gedacht werden kann. Dem Leser wird aber klar gemacht, dass er betroffen ist und es auch auf sein Handeln in der Welt, in der er lebt ankommt.

Beide Bücher sind wertvoll und ja, sie haben mir sicherlich neue Perspektiven eröffnet – gerade in ihrer sehr spezifischen Kombination: Zuckerbrot (Harari) und Peitsche (Lesch und Kamphausen).

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Komplett Media war so freundlich, mir ein Rezensionsexemplar von „Die Menschheit schafft sich ab“ zukommen zu lassen, was mich in meiner Bewertung selbstverständlich nicht beeinflusst hat.

Posted in Buchempfehlung, Ethik, Nachhaltigkeit, Natur
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