„Fettlogik überwinden“ – eine Buchvorstellung

Manchmal stoße ich über Umwege auf Bücher, die ich aus eigenem Antrieb wohl nicht gelesen hätte. „Fettlogik überwinden“ (FLÜ) von Dr. Nadja Hermann ist ein solches Buch. Der Titel wäre mir im Buchgeschäft vermutlich als reißerisch ins Auge gefallen, ich hätte ein höchstens mittelmäßiges Buch mit viel wiedergekäutem Halb- und Unwissen zum Thema Diäten und Übergewicht vermutet. Hier zum Beispiel habe ich mich unter Punkt 4 und 5 mit einer solchen oberflächlichen Einschätzung vertan.

Bei FLÜ war das wieder der Fall. Ich der Rückschau bin ich selten über die Entdeckung eines Sachbuches so froh gewesen. Die Autorin ist promovierte Psychologin und Psychotherapeutin und bloggt unter dem Namen Erzählmirnix sowie begleitend zum Buch auf einem separaten Blog. Hier greift sie gesellschaftlich kontroverse Themen mit Hilfe von Comic-Strips auf und polarisiert. Durch eine Darstellung der Anfeindungen, die sich die Autorin für die Inhalte von FLÜ anhören musste, bin ich letztlich überzeugt worden, das Buch zu lesen.

Hermann polarisiert mit ihrem Buch, und das ist gut so! Es geht ihr darum, „(…) das komplexe Sammelsurium von angeblichen medizinischen Gegebenheiten, guten Ratschlägen und eigenen Vermutungen und Phantasien, das einem beim Abnehmen nicht nur im Weg steht, sondern es unmöglich macht“ (S.8), also die Fettlogik, zu entlarven. Das tut sie schonungslos, teilweise im Rekurs auf ihre eigene Geschichte der Gewichtsreduktion, teilweise unter Bezugnahme auf Erfahrungen in ihrer therapeutischen Tätigkeit und glücklicher Weise auch fundiert mit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen, zu denen am Ende des Buches akkurat die Quellenangaben erfasst sind.

 

 

Dieser Comicstrip der Autorin findet sich ursprünglich hier und illustriert, warum Hermann sich nicht nur Freunde mit der Publikation von FLÜ gemacht hat. Manchmal tut die Wahrheit weh. Während die Autorin keinen Zweifel daran lässt, dass ihrer Meinung nach eine übergewichtige oder fettleibige Person durch ihr Gewicht menschlich nicht abgewertet ist und keinesfalls abgewertet werden darf, nimmt sie den Leser dennoch in die Eigenverantwortung. Auch unser Gewicht ist eine Folge unserer Handlungen und Entscheidungen. Problematische Denkweisen, die diese Handlungen und Entscheidungen beeinflussen, sozusagen die Zuckergüsse der Wunschwahrheiten, werden in Kapiteln wie „Kalorienzählen wirkt bei mir nicht!“, „Übergewicht ist zu einem hohen Anteil genetisch bedingt!“ und „Wer sagt denn, dass es wirklich das Übergewicht ist, was krank macht?“ auseinandergenommen und richtig gestellt.

Für mich persönlich waren viele der Fakten, die Dr. Nadja Hermann erwähnt, nicht unbedingt neu. Ihre Einbettung in die psychologischen Dynamiken und gesellschaftlichen Diskurse, in denen sie eine Rolle spielen, ist aber erhellend und erfrischend. Das Buch ist unbedingt empfehlenswert für Menschen, die abnehmen wollen und die keine Angst davor haben, dass ihnen die eine oder andere harte Wahrheit um die Ohren gehauen wird. Darüber hinaus ist FLÜ eine lehrreiche Lektüre für Fitnesstrainer, Ärzte, Therapeuten und ähnliche Berufe. Das Buch macht in Anbetracht einer immer dicker werdenden Gesellschaft ein Stück mündiger, kompetenter und bewusster.
Hier findest du das Buch bei Amazon und kannst in die ersten Seiten kostenfrei hineinlesen.

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