Gastartikel: Hospiz und Sterbehilfe

Vorweihnachtszeit und Weihnachtszeit werden ja als Zeit der Besinnlichkeit und Einkehr bezeichnet. Unabhängig davon, dass die Realität zwischen Hektik und Konsumrausch oft anders aussieht, kann die Zeit genutzt werden, um auch eigene Denkmuster und Handlungen zu reflektieren.

Wir leben in einer Gesellschaft, die immer individualisierter wird und in der egoistische Handlungsweisen als Norm gesehen werden. Das hat unter anderem zur Folge, dass Tod und Krankheit oftmals in der Wahrnehmung verdrängt werden – sie passen einfach nicht in ein Leben, was von stetigem Wachstum und von Optimierung angtrieben werden soll. Das ändert natürlich nichts daran, dass es auch unheilbar kranke und leidende Menschen gibt.

In einem Hospiz finden diese Menschen einen Platz, wo sie würdevoll auf ihrem Weg des Sterbens beleitet werden.

Ich veröffentliche heute einen Gastartikel von Leo Wagner, Geschäftsführer des Christophorus Hospiz e.V.  Er thematisiert den aktuellen Stand zu den Themen Sterbehilfe und Hospizarbeit:

 

„Seit Beginn der Debatte zur „Sterbehilfe“, konkreter zum Umgang mit dem assistierten Suizid, wurde das Thema in den Medien und auch in der Hospizbewegung mehr diskutiert als zuvor. Im November 2015 wurde dazu ein Gesetz verabschiedet, dessen Haupttenor die Strafbarkeit der geschäftsmäßigen Suizidassistenz und die Straffreiheit im Einzelfall bei Hilfe beim Suizid durch Angehörige und nahestehende Personen ist. Das ist sicher eine gute Entscheidung. Auch wenn sich in der Praxis erst noch erweisen muss, wo genau die Abgrenzung zwischen geschäftsmäßiger Assistenz und dem Einzelfall liegt.

Daneben haben die Hospizvereine immer wieder dafür plädiert, die Bedingungen für Hospiz- und Palliativversorgung bundesweit zu verbessern, um damit vielen Menschen die Not zu nehmen, überhaupt über Suizid nachdenken zu müssen. Sie forderten dies durchaus mit dem Wissen, dass die Hospizbetreuung  und die Palliativmedizin nicht in der Lage sind, jedes Leid zu nehmen und sämtlichen Ängsten der Betroffenen etwas entgegenzusetzen. Besonders vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung in Deutschland wird die Hospiz- und Palliativversorgung in Zukunft jedoch wichtiger denn je. Wir leben in einer alternden Gesellschaft und die Zahl der altersbedingten, schweren Krankheiten wird weiter ansteigen. Somit auch der Bedarf nach einer würdevollen und flächendeckenden Versorgung von unheilbar erkrankten Menschen. Ihnen und ihren Familien sollte ein gut vernetztes multiprofessionelles Angebot zur Verfügung stehen.

Diesen Anliegen ist das ebenfalls im November 2015 beschlossene Hospiz- und Palliativgesetz entgegengekommen. Das Gesetz verbessert die Konditionen der ambulanten und stationären Hospizbetreuung und verankert sie als Teil der Regelversorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung. Es ist als großer Schritt in die richtige Richtung zu begrüßen.

Das Gesetz sieht für ambulante Hospizdienste eine zusätzlich Förderung von Sachkosten vor, bisher wurden im Rahmen der Förderung ausschließlich Personalkosten berücksichtigt. Außerdem werden mit dem Gesetz jetzt auch Begleitungen im Krankenhaus gefördert, dem Ort, an dem fast die Hälfte der Menschen stirbt.

Für stationäre Hospize erhöht sich der Zuschuss um fünf Prozent. Außerdem können bundesweit geltende Standards zum Leistungsumfang und zur Qualität der zuschussfähigen Leistungen mit den Kassen verhandelt werden. In den Fragen der Ausgestaltung, des Umfangs und des qualitativen Mindeststandard dieser Leistungen liegt allerdings noch viel Zündstoff für Diskussionen. Wir hoffen, dass am Ende auf Bundesebene eine weitere Verbesserung und höhere Planungssicherheit für stationäre Hospize steht.

Auch für stationäre Altenpflegeeinrichtungen bietet das Hospiz- und Palliativgesetz begrüßenswerte Ansätze, beispielsweise mit Beratungsleistungen zur Vorsorgeplanung und zur Palliativversorgung. Allerdings ist bisher noch nicht klar, wie diese Beratungen finanziert werden können.

Fazit: Für schwerstkranke Menschen und ihre Angehörigen liefert das Hospiz- und Palliativgesetz vielfältige Ansätze für eine bessere Begleitung und Versorgung. Das ist ein wichtiger Beitrag um den Wunsch nach Sterbehilfe seltener werden zu lassen. Wichtig ist jedoch, dass diese Verbesserungen über weitergehende Regelungen auch in die Praxis überführt werden. In dem Jahr seit Verabschiedung des Gesetzes ist diese Konkretisierung in den Verhandlungen zwischen den Verbänden der Hospiz- und Palliativträger und den Krankenkassen bisher leider nur schleppend vorangekommen.“

 

Wer die Arbeit unterstützen möchte oder zu Weihnachten ohnehin immer gern Geld an eine Organisation spendet, die einen Unterschied macht, kann das gern auch für den Christophorus Hospiz Verein tun. Ich verlinke hier auf die website zu den Kontodaten.

 

 

 

Posted in Ethik, Gesundheit, Moral
Tags: ,

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*