„Natural Doping“, Gedanken und Buchvorstellung

Ich bin mit dem Cover dieses Buches auf so vielen Ebenen nicht einverstanden, dass ich das ausführen muss, bevor ich zum eigentlichen Inhalt komme. In den letzten Wochen bin ich an verschiedenen Stellen im Internet über dieses Buch gestolpert, bevor ich dann doch zu neugierig wurde und selber einen Blick hineingeworfen habe.

Der Titel verspricht „Potenz, Fitness und Gesundheit durch hormonaktive Superfoods“. Ich weiß nicht, ob es mittlerweise immer ein allumfassendes Heilsversprechen geben muss, um ein Buch zu bewerben, aber es scheint so. Nun gut, wer möchte nicht potent, fit und gesund sein?! Das muss also wohl ein Buch für alle sein. Dass zusätzlich noch erwähnt wird, dass es Superfoods sind, um die es hier geht, könnte natürlich auch der Superfood-Manie der letzten Monate und Jahre geschuldet sein. Darüber haben sich auch schon andere Menschen Gedanken gemacht, und ich lasse das einfach mal so stehen.

Unter dem Titel ein knapp bekleidetes, fittes, gesundes und wahrscheinlich auch potentes Pärchen, was den potentiellen Leser anlächelt. Auch das ist man ja inzwischen von einschlägiger Literatur gewohnt. Rechts unter dem Bild dann aber doch noch drei Hinweise auf den Inhalt des Buches.

„Genderspezifische Einnahmeempfehlungen“… Das hat mich als alten Sozialwissenschaftler erst einmal nervös kichern lassen, ahnte ich doch schon, im Fließtext lauter Sportlerixe zu finden. Stellt sich heraus, dass es sich natürlich um geschlechts- und nicht genderspezifische Einnahmeempfehlungen handelt. Das macht ja irgendwie auch Sinn.

„Mit Geheimtipps aus Russland, China und Indien“… Ich hatte authentische Berichte von dort ansässigen Heilern und/oder Schamanen erwartet. Leider wurde ich diesbezüglich enttäuscht, die Geheimtipps sind schlicht und ergreifend Erwähnungen entsprechender Pflanzen, die schon in ayurvedischer oder traditionell chinesischer Heilkunde verwendet werden. Vielleicht sollte ich den Claim mit den „Geheimtipps“ auch in meine therapeutische Tätigkeit in der TCM übernehmen, klingt doch recht catchy.

Dann heißt es noch „Praktisch – wissenschaftlich“… und was soll ich sagen: stimmt! Das ist der Grund dafür, dass dieses Buch von mir (für die entsprechende Zielgruppe) eine definitive Kaufempfehlung bekommt. Für das Buchcover habe ich auch eine Lösung gefunden.

Nachdem ich das Buch aufgeschlagen hatte, war es recht schnell und mit großem Interesse durchgelesen. Zunächst bieten die Autoren einen kleinen Überblick darüber, was Hormone überhaupt sind, und stellen im Ansatz hormonelle Regelkreisläufe des menschlichen Körpers dar. An dieser Darstellung zeigt sich deutlich die Zielgruppe: interessierte Menschen mit etwas Vorwissen in der Materie. Ganz ohne Einblick in die Materie ist diese Einführung wahrscheinlich schwer nachzuvollziehen, für Experten dagegen sehr oberflächlich.

In der Folge werden in verschiedenen Kategorien zahlreiche Pflanzen und ihre Wirkung auf den menschlichen Organismus mit Fokus auf den Hormonhaushalt besprochen. Das Buch ist hier mehr als Enzyklopädie zu verwenden, wo gezielt bei konkreten Fragen nachgeschlagen werden kann. Der Text zu den besprochenen Substanzen wird, so wie es sich gehört, mit den Verweisen zu den entsprechenden Studien versehen, die dann im Anhang in vollem Titel zu finden sind. Es gefällt auch die differenzierte Einnahmeempfehlung zu den einzelnen Stoffen, beziehungsweise das Abraten von einer Einnahme, wenn die Studienlage unklar oder ungünstig ist. Hier zeigt sich dann die Seriösität, die das Cover vermissen lässt.

Zwischen den enzyklopädischen Kapiteln findet sich der eine oder andere Exkurs über gesunde Ernährung und Lebensführung (die Autoren stehen hier dem Paläo-Lebensstil offensichtlich recht offen gegenüber). Abschließend finden sich im Buch noch kombinierte Einnahmeempfehlungen für spezifische Zielsetzungen, Einkaufslisten und ähnliches.

Besonders für Trainer, Therapeuten und verwandte Berufsgruppen stellt das besprochene Buch eine sinnvolle Investition dar. Für Menschen ohne Vorwissen halte ich es für eine begrenzt sinnvolle Lektüre. Wenn jemand keine grundsätzlich ausgeglichene Lebensführung hat und sich von den teils angeblich spektakulären Wirkungen faszinieren lässt, finden wir ein Verhalten, nämlich das unifaktorielle Optimieren in einem multifaktoriellen Leben, was ich an anderer Stelle schon kritisiert habe.

Die Anwendung des in dem Buch vermittelten Wissens sollte reflektiert und gezielt stattfinden und sich nahtlos in den übrigen Lebensstil einfügen. Wird das getan, ist „Natural Doping“ ein wertvoller Ratgeber.

Hier kann das Buch über Amazon direkt gekauft werden.

 

Books On Demand hat mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar für dieses Buch zukommen lassen. Diese Tatsache hat sich nicht auf den Inhalt der Buchbesprechung ausgewirkt.

 

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