Paleo, Angst und die unbequeme Wahrheit, Teil 1

Die Idee des Paleo-Lifestyle ist ein für mich nach wie vor sehr reizvolles Gedankenkonstrukt. Auch wenn die hiesige Blogger-Szene vor allem mit Rezepten und dem Wiederkäuen von Paleo-typischen Themen (Vitamin D, Gluten usw.) „glänzt“, gibt es Blogger wie Sascha Fast und Felix Olschewski, die über den Tellerrand schauen und kritisch neue Impulse versuchen zu geben. Das ist sehr schön.

Die Empfehlungen des Paleo-Lifestyle orientieren sich ja an einem zum Teil hypothetischen, unbewiesenen Lebensstil einer, sozusagen, viel früheren Version des Menschen. Wir versuchen, Bewegung, Ernährung, Schlafgewohnheiten und so weiter zu einem gewissen Grad zu emulieren. Ich finde das sehr sinnvoll und gewinnbringend, auch wenn viele der Postulate (vor allem bezüglich Ernährung, Schlaf…) , die sich so im Internet finden lassen, auf dünnem wissenschaftlichen Eis stehen oder, wie es eben einem System wie der Wissenschaft innewohnt, über die Jahre auch im Wandel begriffen sind.

Wir, die sich mit dem Paleo-Lifestyle beschäftigen, haben meistens das Gefühl, dass sich der moderne Mensch in seinem Handeln von seinen evolutionären, von seinen genetischen Wurzeln entfernt hat. Das ist, gerade was den Bereich des Bewegungsmangels angeht, ziemlich offensichtlich. Ich argumentiere aber, dass der Mensch, was seine Handlungsmotivationen angeht, im Großen und Ganzen bis in unsere Moderne hinein, stagniert. Wenn ich an dieser Stelle von Handlungsmotivationen rede, meine ich nicht das starre, genetische Programm, was unter dem Imperativ steht sich fortzupflanzen und die eigenen Gene weiter zu geben. Ich rede vielmehr von individuellen, mehr oder weniger bewusst spürbaren, mit Emotionen verknüpften Handlungsmotivationen.

Ich behaupte: der Mensch ist ein fauler Angsthase.

Das passt auf den ersten Blick vielleicht nicht in das konstruierte Bild, was wir vom früheren, prä-sesshaften Menschen haben, aber bei genauerer Betrachtung macht es Sinn: Gründe genug, Angst zu haben, gab es in seinem Leben sicherlich. Widrige Wetterbedingungen, gefährliche Tiere, knappe Nahrung, andere Urmenschen, die nicht freundlich gesinnt waren. Ich behaupte, dass jeder Mensch einen angeborenen Überlebenswillen hat, insofern kann Angst selbstverständlich auch evolutionär sinnvoll sein, wenn sie zu einer Handlung führt, die das eigene Überleben sichert. Die Konstitution der Urmenschen, an die wir jetzt denken, ist also wahrscheinlich aus einer durch die Lebensumstände entstandenen Notwendigkeit erwachsen, und das Individuum hat dabei vermutlich den Umständen entsprechend Angst gehabt. Im Gegenzug wird schnell klar, warum es in diesem Setting auch wichtig und sinnvoll war, faul zu sein: in Zeiten, wo keine Gefahr drohte, das Wetter nicht bedrohlich war, genug Nahrung zur Verfügung stand, mussten die Akkus körperlich und psychisch wieder aufgeladen werden, um für die nächste kritische Phase gewappnet zu sein.

Ich halte kurz fest: Angst ist eine Form von emotionalisiertem Stress, der zwar nie angenehm ist, aber überwunden werden kann, wenn eine sinnvolle Handlungsoption zur Verfügung steht, die in den Augen des Handelnden die Angst beseitigen kann.

Die Folgen dieser Prägung hin zu Angst und Bequemlichkeit für das Leben in unserer modernen Gesellschaft führe ich in Teil 2 aus, der ab Samstag online sein wird.

 

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