Paleo, Angst und die unbequeme Wahrheit, Teil 2

Fortsetzung von Teil1.

Ich halte kurz fest: Angst ist eine Form von emotionalisiertem Stress, der zwar nie angenehm ist, aber überwunden werden kann, wenn eine sinnvolle Handlungsoption zur Verfügung steht, die in den Augen des Handelnden die Angst beseitigen kann.

Heute leben wir in einer Zeit und Region der Welt, in der alle oben genannten Widrigkeiten so gut wie eliminiert wurden. Wir müssen nicht mehr frieren, haben ein Dach über dem Kopf, (mehr als) ausreichend zu Essen, Krieg kennen die meisten von uns nur aus Erzählungen, selbst „normale“ körperliche Auseinandersetzungen zwischen zwei Menschen sind die Seltenheit und werden gesellschaftlich sanktioniert. Die natürlichen Umstände, in denen der Höhlenmensch der Urzeit gelebt hat, wurden ersetzt durch ein komplexes gesellschaftliches Gefüge, was nun deutlich stärkeren Einfluss auf unser Leben nimmt, als die natürliche Umwelt. Und wir haben immer noch Angst. Angst vor „anderen“ und „anderem“ lässt es national und international möglich werden, dass politische Wahlentscheidungen getroffen werden. Angst vor Nährstoffdefiziten treibt die Menschen dazu, Supplements zu kaufen und „sich selbst zu optimieren“. Im Grunde genommen basiert in allen Bereichen ein nicht unbedeutender Teil der Werbepsychologie auf dem Prinzip, beim Konsumenten eine gewisse Angst zu erwecken und zu suggerieren, dass der Kauf von Produkt X die sinnvolle Handlung ist, um diese Angst hinter sich zu lassen (siehe oben). Wenn dies nicht direkt geschieht, geschieht es indirekt über die Angst, im Vergleich mit einem anderen Individuum schlechter dazustehen.

Körperlich fauler ist der moderne Mensch zudem ohne Zweifel geworden. Technisierung und andere Faktoren haben die Notwendigkeit schwinden lassen, sich zum Bestreiten des Lebensunterhaltes körperlich allzu sehr anzustrengen. Das gilt zumindest für die Masse der Bevölkerung und hat die Folgen, die jeder kennt: Fettleibigkeit, Stoffwechselkrankheiten, orthopädische Beschwerden und psychische Krankheiten lassen sich vielfach bewiesen häufig auf zu wenig körperliche Aktivität zurückführen.

Existenzielle Ängste müssen wir nur mehr in den seltensten Fällen leiden. Bequemlichkeit ist nahezu immer möglich. Nun könnte man schlussfolgern, dass wir eigentlich ein angstfreies Leben leben müssten. Dass dem nicht so ist, liegt auf der Hand.

Nun stellt sich die Frage, ob der Mensch ohne Angst nicht leben kann, sich seine Ängste also, je nach Lebensumstand, selbst schafft, oder ob ihm diese Angst gemacht wird. Ein Beispiel dafür, wie eine Produktion beziehungsweise Unterdrückung von Ängsten medial bewerkstelligt werden kann, ist die Berichterstattung über den Themenkomplex „Global Warming“ in den USA. In einigen Staaten wurde der Gebrauch des Begriffes komplett medial untersagt, in manchen Medien wird Klimaerwärmung als linkspolitische Verschwörung dargestellt, in anderen wiederum wird wissenschaftlich besorgt berichtet.

Wer eine Stunde seiner Zeit sinnvoll anlegen will, schaue sich diesen Vortrag über Meinungs- und Empörungsmanagement an.

Ich habe den Eindruck, dass unser Leben und die Medienlandschaft den Menschen kaum mehr fordert, seine Vernunft auf kritische Art und Weise zu benutzen, um Sachverhalte einzuordnen. Der Mensch wird auch geistig faul, weil es alle Meinungen schon vorgefertigt gibt. Das gilt teilweise für die klassischen Medien, die oft nicht so neutral sind, wie es den Anschein macht, aber auch in einem anderen und noch stärkeren Maß für die neuen Medien. Auf facebook leben wir alle in unserer Filterblase, bekommen hauptsächlich das angezeigt, was wir sehen möchten und was unseren Denkmustern entspricht. So liest der Impfgegner immer mehr Artikel darüber, wie tödlich das Impfen ist, der rechtsgerichtete Nationalist liest Nachrichten aus eben diesem Spektrum und so weiter. Das schafft unter Umständen eine gefährliche Entfremdung von der Umwelt und von der gesellschaftlichen Realität.

Ein Paleo-Lebensstil umfasst meiner Meinung nach geistige und körperliche Fitness. Aber nicht nur eine neutrale, geistige Regheit ist damit gemeint, sondern auch die Fähigkeit, seine Vernunft kritisch und selbstbestimmt zu nutzen. Die Herrschaft über den eigenen Körper ist seit Beginn der Paleo-Szene ein wichtiges Thema. Beim Thema der Herrschaft über den eigenen Geist und die eigene Vernunft sehe ich noch Nachholbedarf.

Nur so können wir ein Leben leben, in dem wir selber entscheiden, wovor wir Angst haben und wovor nicht.

 

 

 

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