Perspektive und Handlung, ein Öko-Starter-Kit

Die menschliche Wahrnehmung ist darauf ausgerichtet, die mehr oder weniger unmittelbare Umgebung zu erfassen. Wir sehen, hören, riechen was um uns herum geschieht, er-fassen diese direkte Umgebung. Alleine hier sind wir in einer modernen, städtischen Umgebung schon mit so vielen Reizen konfrontiert, dass das Gehirn stark selektieren muss, was bewusst wahrgenommen wird. Dazu erreichen uns Nachrichten aus aller Welt, die Lebenswelt von weit entfernt wird uns also gewahr, das Gehirn muss sich auch damit beschäftigen. Auch unsere Handlungen, Kaufentscheidungen und so weiter haben nicht nur lokale, sondern globale Folgen. Kurz: es ist uns nicht ohne weiteres möglich, alle Reize des Alltags komplett zu verarbeiten, alle Folgen unseres Handelns abzuschätzen. „Nicht ohne weiteres“ bedeutet, dass es uns schon eine gezielte Anstrengung kostet, das zu tun. Wir können es, müssen es aber auch wollen. Wenn wir wollen, bietet das Internet vielfältige Informationsmöglichkeiten, stellt aber wiederum auch vor die Herausforderung, dass wir filtern und selektieren müssen, was sinnvoll ist und was nicht. Darum finde ich es immer wieder befriedigend und gut, wenn es Menschen gibt, die in der Lage sind, große Zusammenhänge und viele Informationen so zu präsentieren, dass sich aus einem scheinbaren Chaos eine Struktur herauskristallisiert, von der aus man dann hervorragend selber weiter denken kann.

Leser meines Blogs wissen, dass ich mich in der letzten Zeit viel mit aktuellen ökologischen Problemen beschäftigt habe. Darum möchte ich hier noch einmal kurz vier Bücher vorstellen, die eine Perspektive schaffen können, die uns Handlungen ermöglicht.

Im Jahr 1972 wurde ein Buch veröffentlicht, das viel Beachtung fand. Der Club of Rome zeigte „Die Grenzen des Wachstums“ auf. Der eine oder andere hat den Titel vielleicht schon gehört. 40 Jahre später, also 2012, veröffentlichte Jorgen Randers, Co-Autor des Werkes von 1972, einen Rückblick auf das, was bereits erreicht wurde und einen Ausblick auf die nächsten 40 Jahre. In seinem Buch „2052“ stellt er verschiedene Prognosemöglichkeiten auf aktuellem wissenschaftlichen Stand vor. Zu verschiedenen Themenkomplexen kommen auch weitere Experten mit ihren Einschätzungen zu Wort. Gut hat mir gefallen, dass die präsentierten Ergebnisse nicht als Wahrheiten, sondern als mehr oder weniger wahrscheinliche Möglichkeiten präsentiert werden. Der Autor legt die Methodik der Untersuchungen dar und stellt weitergehende Quellen im Internet zur Verfügung, wo die Originaldaten und mehr Informationen zugänglich sind. „2052“ ist keine Lektüre für nebenbei. Der relativ trockene, wissenschaftliche aber dennoch nicht unpersönliche Ton erreicht das, was er erreichen soll: er vermittelt Informationen, auf deren Grundlage der Leser sich weiter in spezifische Themengebiete vertiefen kann.

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Stilistisch der Gegenpol ist wohl das Buch „Wie viele Sklaven halten Sie“ von Evi Hartmann. In teilweise amüsant-flapsigem Ton zeigt sie Missstände im globalisierten Wirschaftskreislauf auf und zeigt, wie der einzelne Konsument seiner Verantwirtung gerecht werden kann.

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Kürzlich hatte ich hier auch schon zwei Bücher vorgestellt, die ich auch heute noch einmal aufführen werde. „Die Menschheit schafft sich ab“ von Lesch und Kamphausen wirft einen Blick auf die Entstehung des Lebens und der Menschen und liefert Informationen und Kommentare zum Status Quo des Planeten Erde.

„Eine kurze Geschichte der Menschheit“ von Hariri konzentriert sich auf den gesellschaftlichen Weg, den die Menschheit bisher zurückgelegt, um ins Hier und Heute zu gelangen. Dabei bleibt das Buch sehr gut lesbar, inspiriert zu eigenen Gedanken und wertet moralisch nicht so stark, wie manch anderes Buch.

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Ich bin immer gücklich, wenn ich nach der Lektüre von Büchern oder Texten Synthesen erstellen kann und aus mehreren kleinen Teilen etwas geistig größeres entsteht. Die vier oben genannten Bücher sind beiweitem nicht die einzige interessante Lektüre, um seine ökologisch-gesellschaftliche Perspektive zu erweitern, aber sie sind ein guter Startpunkt, sozusagen das Öko-Starter-Kit. Wenn der eine oder andere durch diesen Artikel zum Lesen kommt oder schon gelesen hat und unter dem Artikel kommentiert, freue ich mich.

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