Pokemon, Jäger und Sammler

Aus aktuellem Anlass fühle ich mich zu einem thematischen Nachtrag zum letzten Beitrag bezüglich Achtsamkeit genötigt.

Im Voraus: es liegt mir fern, Computerspiele generell zu kritisieren, ich habe immer gern gespielt und das ist nach wie vor so. Das momentan aufkommende Phänomen „Pokemon Go“ fasziniert mich aber, und zwar aus verschiedenen Gründen.

Computerspiele (dazu zähle ich Konsolenspiele) waren bis zur massenhaften Verbreitung von Smartphones vor allem an einen festen Ort gebunden, eine feste Räumlichkeit, in der gespielt wurde. Dieses Schema wurde zwar schon seit den 80er-Jahren durch mobile Spielekonsolen wie den Gameboy und in der Folge weitere Entwicklungen ergänzt. Deren Verbreitung war aber, gerade im Vergleich zu Smartphones heute, sehr gering. Es war also immer, mehr oder weniger, so, dass man sich bewusst dafür entscheiden musste, in diesem Moment zu spielen. So etwas kann ja ähnlich fokussiert und achtsam vor sich gehen, wie ein gutes Buch zu lesen – ja es ist dem Genuss eines guten Buches oder Computerspiels sogar zuträglich, sich konzentriert zu versenken.

Das alles hat sich mit Verbreitung von Smartphones insofern geändert, dass nun quasi jeder eine mobile Spielekonsole in der Tasche hat. Im Rahmen vom üblichen Multitasking, das Achtsamkeit und Aufmerksamkeitsspanne nicht gerade zuträglich ist (mails checken, facebook, Chats pflegen usw.) konnten ab jetzt auch massenweise fette Vögel in der Gegend herumkatapultiert werden oder Süßigkeiten zertrümmert.

Pokemon Go jedoch führt das Ganze auf ein recht neues Level – und zwar massentauglich. Viele viele Millionen Spieler gehen inzwischen mit ihrem Smartphone in der „echten Welt“ auf Pokemonjagd, die Spielwelt wird optisch und semantisch in die reale Welt integriert. Erste Unfälle von/mit Spielern werden gemeldet, weil die Realität nicht mehr ausreichend wahrgenommen wird. Zynisch könnte man jetzt sagen: wer einen Säbelzahnhasen jagt und seine Umgebung aus den Augen verliert, wird eben manchmal vom Mammut gerammt. Welch abstruse Ausmaße die Bewegung der Spieler annehmen kann, sehen wir hier (in diesem Fall in NYC).

Gedanken kann man sich darüber machen, was mit den Spielern passiert, wenn es ein augmented reality Spiel gibt, das nicht nur durch seine Einfachheit und Massentauglichkeit, sondern auch durch ein komplexes Gameplay besticht. Zu welchen Handlungen lassen sich Menschen in der Realität durch ein Spiel dann verleiten? Ähnliche Fragen werden auch hier gestellt.

Dass ein Spiel wie Pokemon Go, unreflektiert gespielt, nicht gerade hilfreich ist, wenn man Achtsamkeit anstrebt, weil es in unsere Wahrnehmung der Realität stark eingreift, ist offensichtlich.

Wie erklärt sich aber der immense Erfolg? Vielleicht dadurch, dass sowohl das Jagen, als auch das Sammeln emuliert werden? Beides könnte nach wie vor in unseren Genen verankert sein – ausleben können wir es in einer usprünglichen Form kaum noch. Wer aber in den Wald geht, um Kräuter oder Pilze zu sammeln, wer Angler oder Jäger ist, weiß, dass hier eine ähnliche Begeisterung aufkommen kann. Man findet/fängt/stellt etwas, hat die Belohnung, die bei Pokemon in Form von Erfahungspunkten und ähnlichem vorkommt, direkt zu einem späteren Zeitpunkt vor sich auf dem Teller liegen. Das ist ursprünglich – und vermutlich würde es ähnlich viele Menschen begeistern, wenn sie es drauf ankommen lassen würden. Aber das ist zeitintensiv und manchmal auch unbequem. Und damit wären wir wieder bei einem ganz anderen Thema…

Mich interessiert eure Meinung – hinterlasst euren Kommentar!

Posted in Achtsamkeit, Natur
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