Sport, Ernährung und Verantwortung (Teil 2 – der Leistungssportler)

In Teil 1 meiner kleinen Serie „Sport, Ernährung und Verantwortung“ habe ich vor einigen Tagen erklärt, warum es sinnvoll sein kann, weniger zu essen, als wir es teilweise gewohnt sind, unseren Fleischkonsum zu reduzieren und auf Fertigprodukte zu verzichten.

Werfen wir nun einen Blick auf die Situation eines Sportlers. Wie sind hier die Erfordernisse einer hilfreichen Ernährung? Wo ergeben sich Problemfelder? Ich werde an dieser Stelle differenzieren zwischen Hobbysportler und Leistungssportler.

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass ein sportlich aktiver Mensch mehr Nahrung zu sich nehmen sollte als ein unsportlicher Büroarbeiter. Je höher die körperliche Aktivität, umso mehr Nahrung braucht der Mensch, um die Körperfunktionen zu unterstützen, pauschal gesagt. Will ein Sportler also nicht abnehmen und leistungsfähig sein und bleiben, sollte er sich was die Menge der Nahrung angeht nicht zu sehr bremsen. Während die Diskussion im Gange ist, ob eine Kalorienrestriktion gesundheitliche Vorteile mit sich bringen kann und der sozio-ökologische Sinn außer Frage steht, gilt das in Hinsicht auf die sportliche Leistungsfähigkeit wohl eher weniger.

Der Leistungssportler: Er lebt mehr oder weniger für seinen Sport. Seine Trainings und Wettkämpfe sind ein elementares strukturierendes Merkmal seines Alltags. Das Bewusstsein, dass Leistungsfähigkeit im positiven oder negativen Sinne mit Ernährung korelliert, ist bei ihm tendenziell stärker ausgeprägt, weil er einen direkteren Bezug zu seinem Körper hat als ein Nichtsportler. Da aber die wenigsten Leistungssportler so viel Geld mit ihrem Sport verdienen, dass sie ihm ihren ganzen Alltag widmen können und vielleicht sogar perfekte Ernährungspläne geschrieben bekommen, hängt die letztliche Qualität der Ernährung jedoch individuell vom Wissensstand und Interesse des Einzelnen ab.

Letztlich finden sich hier also ähnliche Extreme wie bei Nichtsportlern. Ich kenne einen Athletiktrainer, der eine Fußballmanschaft der 2.Bundesliga trainiert hat und nach dem Training mit den Jungs zum nächsten McDingens gegangen ist. Ich kenne zum Glück aber auch Gegenbeispiele.

Ich sehe bei Leistungssportlern zwei Problemfelder, die entstehen können:

  • 1. Wegen der größeren Belastung des Körpers eines Leistungssportlers ist die Relevanz einer angepassten Ernährung sehr groß. Die Kompetenzen, das erfolgreich zu meistern, bringt aber nicht jeder Sportler bzw. dessen Betreuer mit.
  • 2. Der Körper hat sich im Zuge der Moderne und der Postmoderne immer weiter zu einem Objekt entwickelt, was als beliebig modifizierbar wahrgenommen wird, sozusagen mit Wissenschaft beherrschbar. Das führt im Leistungsssport zu Leistungszuwächsen und mehr Athletik, aber auch zu einer Verschiebung der Ernährung von „natürlich“ zu „künstlich“.

ad1: Warum sollte es im Leistungssport einen höheren Prozentsatz an Menschen als anderswo geben, der sich eigene Gedanken macht und selbstverantwortlich recherchiert? Das heißt, auch im Leistungssport hält man sich oft, zu oft, an die berüchtigten Ernährungsempfehlungen der DGE. Dazu kann man viel lesen, den meiner Meinung nach besten Beitrag verlinke ich hier. Auch im Leistungssport gilt es, individuell und „out of the box“ eine Ernährung zu finden, die den Ansprüchen des Körpers gerecht wird.

ad2: Die Verwobenheit von wissenschaftlichen Erkenntnissen und der Optimierung des Leistungspotentials eines Körpers hängt selbstverständlich eng mit dem Themenkomplex „Doping“ zusammen. Darauf gehe ich hier nicht ein, weil es ein Thema für sich darstellt. Auch unabhängig davon ist der Körper im Leistungssport mehr oder weniger eine Maschine, die funktionieren muss. Je näher diese Maschine an ihre Leistungsgrenze gebracht wird, umso mehr spielt die korrekte Wartung und Pflege eine Rolle. An dieser Stelle kommen Nahrungsergänzungen- und Konzentrate ins Spiel, die es leicht machen, Nahrung bilanziert zu sich zu nehmen. Je größer die Leistung des Sportlers, umso größer die Rolle solcher Elemente. An sich ist das nicht verwerflich. Problematisch kann hier aber sein, dass ein Bewusstsein entsteht, dass Nahrung nur „Treibstoff“ ist, denn Essen ist in Wirklichkeit immer mehr: Genuss, Kultur, soziales Bindemittel und ökologisch-politischer Akt. Es ist von größter Bedeutung, dass auch diese Elemente nicht vergessen werden.

Jeder Leistungssportler kann durch seine Vorbildrolle eine ethisch verantwortliche, reflektierte Ernährung propagieren. Leider findet das aktiv zu wenig statt, und oftmals steht dazu sogar ein Sponsoring von Lebensmittel-Großkonzernen in direktem Widerspruch.

Die Fußballnationalmannschaft wird mit Nutella Weltmeister. Alle anderen werden leider fett.

 

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