Vorwort zur neuen Serie

In der Paleo-Ernährung gibt es immer wieder Kontroversen, in denen der eine oder andere Verfechter versucht, die „wahre Lehre“ zu verteidigen. Darf man nun als Paleo-Esser Kartoffeln futtern? Haben „die Jäger und Sammler“ früher dieses oder jenes Obst, Gemüse oder anderweitiges Nahrungsmittel gegessen? Das artet dann teilweise in einen wahren Glaubenskrieg aus. 

Ich distanziere mich von solchen Menschen genauso sehr, wie ich mich von Menschen distanziere, denen alles egal ist. Die Paleo-Ernährung und damit einhergehende Forschung und Philosophie sehe ich als Hilfsmittel dafür an, bessere Entscheidungen im Leben zu treffen. Sei es in Bezug auf Ernährung (z.B. Kohlenhydrate in Maßen, viel Eiweiß – davon allein würden die meisten profitieren) oder in anderen Bereichen.

Man darf nicht vergessen, dass vieles von dem, was Autoren und Fans der Paleo-Ernährung beziehungsweise des Lebensstils postulieren, auf Spekulation basiert. Von welchen Urmenschen wird hier überhaupt geredet? Auf welche Jäger und Sammler in welchem Teil der Erde zu welcher Zeit wird Bezug genommen? Wenn wir uns das konkret fragen, wird klar, dass auch dort die Bandbreite der Lebens- und Ernährungsformen größer war, als gedacht. Teilweise weiß man recht viel über diese Populationen und kann darum einigermaßen fundierte Aussagen treffen, teilweise ist die Faktenlage dünn und die Aussage Spekulation – reine Lehre wird reine Leere.

Dennoch ist das Konzept des Paleo-Lebensstils reizvoll für mich. Spekulation hin oder her – es eignet sich vortrefflich, um einen Gegenpol zum Leben in der heutigen Gesellschaft zu konstruieren, von dem aus ich dann versuchen kann, Fallstricke des modernen Lebens zu umgehen und bessere Entscheidungen zu treffen. Es ist der Höhlenmensch als imaginärer Gefährte, nicht der konkrete, archäologisch evidente Urmensch, der das Konzept gut und wirksam werden lässt. In den Gedanken darüber, was der Jäger und Sammler früher wohl besser gemacht hat, reflektieren und hinterfragen wir unser heutiges Leben – und das kann oftmals nur positiv sein.

In den nächsten Wochen werde ich mir, Woche für Woche, verschiedene Themenbereiche ausmalen, die nichts (direkt) mit Ernährung zu tun haben, in denen wir jedoch als moderner Mensch von unserem eigenen, imaginären Höhlenmenschen lernen können. Jeder Beitrag soll Denkanstoß sein für weitere Gedanken, die dann jeder Leser in seinem Gedankengebäude verbauen kann.

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