„Wie viele Sklaven halten Sie?“ von Evi Hartmann – eine Buchempfehlung

Evi Hartmann, Professorin für Betriebswirtschaftslehre, hat ein Buch geschrieben. Aber halt, nicht gleich wieder wegschauen! Weil Frau Hartmann jemand ist, der einen weiten Gedankenhorizont hat, ist es kein Buch geworden, das betriebswirtschaftliche Klischees reproduziert. Es provoziert vielmehr eine alternative Sichtweise der eingefahrenen Denkstrukturen und fordert zu moralischer Stellungnahme auf. Schon besser, oder?

„Wie viele Sklaven halten sie“? provoziert nicht nur durch den Titel. „Moral, als konkrete Ausprägung der Ethik, erweist sich beim Handeln. Und das Handeln des modernen Menschen ist der Konsum.“, schreibt die Professorin auf Seite 63.

Die Autorin führt zahlreiche Beispiele aus ihrer Berufspraxis an, in denen klar wird, dass und warum auf Management-Ebene Moral oftmals kein Leitfaden für Handlungen ist. Diese Anekdoten sind unterhaltsam, zumal Hartmann es versteht, die zu Grunde liegenden Prozesse strukturiert zu entlarven.

Relevanter für die meisten Leser ist aber die Schwierigkeit, Moral im täglichen Handeln, beim Konsum zu beweisen. Auch hier hat „Wie viele Sklaven halten sie?“ einige Ansätze parat, die Raum für Verbesserung schaffen: Nudges, das Kultivieren von Bright Spots, sowie die Kommunikation von und den Aufruf zu Empathie.

Während Nudges vor allem als Hilsmittel bezeichnet werden können, mit denen das eigene oder fremdes Verhalten durch einen Stups modifiziert wird (du willst abnehmen – iss von einem kleineren Teller), betten sich die anderen beiden Punkte in die Wahrnehmung des Alltags ein. Bright Spots sind einfach gesagt kleine, positive Beispiele moralischen Handelns. Dein Bekannter kauft entgegen seiner Gewohnheit seine neue Jeans nicht im Billig-Laden, sondern von einer Firma, die nachhaltig produziert? Lobe ihn dafür! Das ist ein kleiner moralischer Lichtblick, der Aufmerksamkeit und positives Feedback verdient. Auf diese Weise können bright spots wachsen, in Anzahl und Größe.

Ein heikles Thema dagegen ist es, Empathie offen und aktiv zu zeigen und zu fordern. Der Mensch ist ein Meister der Verdrängung unangenehmer Sachverhalte, und derjenige, der trotzdem darauf hinweist, ist oftmals der Spielverderber. Mitgefühl wird zudem leider oft ungerechtfertigter Weise als Schwäche angesehen. Evi Hartmann fordert, völlig zu Recht, wie ich meine, dazu auf, dennoch ab und an „zu nerven“ und nicht die kollektive Ignoranz wortlos zu akzeptieren.

Ich freue mich, wenn die wichtigen Gedanken dieses Buches einen Diskurs in der Gesellschaft auffrischen, der natürlich in Nischen auch schon da ist. Das Verdienst der Autorin ist, sprachlich lässig Sachverhalte, die nicht unbedingt neu sind, wieder mehr in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Ich hoffe, dort bleiben Sie auch lange – es ist sehr nötig.

Was das alles mit Elefanten zu tun hat, müsst ihr selber lesen.

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Evi Hartmann pflegt auch ein lesenswertes Blog

 

 

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